Schaffung von attraktiven Lebensraum für Mensch und Natur

Der Kreis Pinneberg beteiligt sich aktiv am Leitprojekt der Metropolregion Hamburg "Das Blaue Metropolnetz". Die Aktion Fischotterschutz e.V. initiierte das Projekt 2004 für die gesamte Metropolregion. Die Projektpartner untersuchen anhand der Leit-Tierart Fischotter, wie Mensch und Tier eine struktur- und abwechslungsreiche Natur zurückbekommen.

Ziel des Projektes ist, Gewässerkorridore als Bindeglied zwischen Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein herzuleiten und auszuweisen. Dazu orientieren sich die Untersuchungen an der Leit-Tierart Fischotter und der Leit-Nutzung Erholung und Tourismus. Am Ende soll ein ökologisch durchgängiges und touristisch attraktives Gewässernetz entwickelt werden. Von der Entwicklung der Gewässer als blaue Lebensader in der Metropolregion profitiert nicht nur der Fischotter, sondern auch die Menschen der Region. Die Gewässer sind langfristig attraktive Naherholungsgebiete für die Bewohner der Metropolregion Hamburg. "Wir schaffen attraktiven Lebensraum für Tier und Mensch", betont Landrat Dr. Wolfgang Grimme bei der heute durchgeführten Projektvorstellung. Er hebt hervor, dass dieses Projekt einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Ökosysteme in der Metropolregion Hamburg leistet.

Der Fischotter ist eine attraktive Tierart, die in vielen Gesetzen und Konventionen hohen Schutzstatus genießt. Er bevorzugt als Lebensraum Fließgewässer und Seen mit Ufergehölzen. Die Metropolregion Hamburg spielt eine zentrale Rolle bei der Ausbreitung des Fischotters nach Westen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern und nach Süden aus Schleswig-Holstein und Dänemark. Um den Fischotter wieder stärker in der Region anzusiedeln, sind hohe Raumwiderstände zu beseitigen. Hier bringt ein gezieltes Habitat-Management wirksame Erfolge.

PM 2006-07-06Auf dem Foto (v.l.n.r.):
Karl-Heinz Bonhoff, stellv. Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes Krückau,
Landrat Dr. Wolfgang Grimme,
Karsten Borggräfe, Aktion Fischotterschutz e.V. und Projektleiter.




Zu Beginn des Projektes wurden vorhandene Daten aus dem Digitalen Landschaftsmodell zu Lebensräumen in der Metropolregion ausgewertet. Aus den Daten hat das Projektteam acht Parameter für die weitere Betrachtung zusammengestellt. Diese Parameter sind Fließgewässer, stehende Gewässer, Feuchtgebiete, Schutzgebiete, landwirtschaftliche Nutzungen, Verkehrstrassen, Siedlungen und Einwohnerdichte. Das Vorhandensein von aktiven Menschen vor Ort (Akteurspotenzial) ist ein neunter Faktor, der die bisherigen Betrachtungen erweitert. Gerade die vor Ort lebenden und aktiven Menschen beeinflussen und gestalten mögliche Projekte.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass es Räume mit einem hohen Konfliktpotenzial und konfliktärmere Räume für den Fischotter gibt. Ausgehend von bestehenden Fischotterpopulationen wurden Pfade für eine Ausbreitung berechnet. Diese orientieren sich am Gewässernetz und führen durch möglichst konfliktarme Räume. Die Kreise der Metropolregion haben im Anschluss Karten erhalten, die Wanderungskorridore des Fischotters ausweisen.

Diese Korridore bilden nun die Grundlage für die Feinanalyse. Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort gibt es konkrete Einzelprojekte, Ansätze für eine sinnvolle Lenkung von Ausgleichsmaßnahmen aufzeigen, Entwicklungsbedarf hinsichtlich der Wasserrahmenrichtlinie ansprechen und regionale Aktionsbündnisse zu initiieren.

Die erste Phase des im Juli 2004 begonnene Projekt "Das Blaue Metropolnetz" endet im Oktober 2006. Die Gesamtkosten betragen rund 292.000 Euro. Die 2. Phase, die konkrete Umsetzung der Maßnahmen in den einzelnen Korridoren, wird derzeit vorbereitet und soll im Jahr 2007 beginnen.

Die Hanseatische Natur- und Umweltinitiative, die Bingo-Umweltlotterie Niedersachsen und die Bingo-Umweltlotterie Schleswig-Holstein, der Förderfond Hamburg/Niedersachsen und der Förderfond Nord der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sowie der Verein Aktion Fischotterschutz e.V. finanzieren das Projekt. Der Kreis Pinneberg ist für die Aktion Fischotterschutz e.V. der schleswig-holsteinische Kooperationspartner und unterstützt fachlich und verwaltungsmäßig das Projekt. Für das Land Niedersachsen ist der Landkreis Harburg der entsprechende Kooperationspartner.

Das Projekt ist in das gesamteuropäische Vorhaben "Otter Habitat Netzwerk Europa (OHNE)" eingebunden. Dieses Netzwerk strebt an, die durch menschlichen Einfluss auseinandergerissenen und teilweise isolierten Ottervorkommen in Mitteleuropa wieder zu vernetzen.

In Deutschland gibt es seit 1979 die Aktion Fischotterschutz e.V.. Ziel des Vereins ist, Fließgewässer als Lebensraum für den Fischotter zu entwickeln und damit auch einen Erlebnisraum für den Menschen zu schaffen. Er ist ein staatlich anerkannter Naturschutzverband und hat zur Zeit rund 15.000 Mitglieder in der gesamten Bundesrepublik. Die drei wesentlichen Aufgabengebiete sind Forschung, Biotop- und Regionalentwicklung und Naturschutzbildung. Rund 50 Mitarbeiter sowie Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen (zum Beispiel Biologen, Landschaftsplaner, Agraringenieure, Pädagogen) arbeiten in den verschiedenen Aufgabenfeldern des Vereins. Im Naturerlebniszentrum "Otter-Zentrum" erhalten unterschiedliche Zielgruppen spielerisch Informationen zu Lebensräumen, deren Arten und nachhaltigen Umweltschutz.

Weitere Informationen zum Projekt sowie zum Verein Aktion Fischerotterschutz e.V. erhalten Sie bei Karsten Borggräfe, Telefon 05832/98 08 12, E-Mail k.borggraefe@otterzentrum.de und im Internet unter www.otterzentrum.de.

V.i.S.d.P.
Pressesprecher

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